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Böse

Wer seine Maus "Fest im Griff" hat, wird die dazugehörigen Verkrampfungen und Schürfungen nicht erspart.


Die Voraussagen über die Auswirkungen von Computern auf unser tägliches Leben haben sich größtenteils bewahrheitet. Unser Leben ist ganz offensichtlich von der Computer-Interaktion durchdrungen: Von der Kasse im Lebensmittelgeschäft bis zu unseren Wagen, wir sind eine computerisierte Gesellschaft geworden. Nirgendwo wird dies offensichtlicher als an unserem Arbeitsplatz. Arbeiter, Grafiker, Büroangestellte, alle benutzen Computer, um ihre Arbeiten effizienter durchzuführen.

Da die Computerhersteller die Rechner benutzerfreundlicher gemacht haben, war es für immer mehr Leute einfacher, am Gefecht teilzunehmen. Vergangen die Tage, in denen die Benutzer eine zweite Sprache erlernen mußten, die aus inkohärenten Befehlszeilen bestand, die nur der Computer verstehen konnte. Sie wurden durch eine Point-and-Click Umgebung in normalen Englisch für die Anzeige von Menüs ersetzt. Die Computer-Maus, vor noch fünf Jahren eine rare Erscheinung, spielt jetzt eine dominante Rolle bei der Navigation durch die Dateien, Eingabe und Manipulation von Information. Doch für die Einfachheit der Benutzung muß ein Preis gezahlt werden - ein hoher Preis, der eine der wichtigsten Sorgen der Computerbenutzer und Arbeitgeber geworden ist. Ebenso wie die Tastatur wurde die Maus als eine Quelle mehrerer, repetitiver Stressverletzungen (RSI - Repetitive Stress Injuries) der Hand, des Handgelenks und des Arms identifiziert. Diese Verletzungen haben sich stark verbreitet. Im Gegensatz zur Tastatur haben die Mäuse in der Öffentlichkeit jedoch wenig Aufmerksamkeit als eine mögliche Ursache dieser Verletzungen erhalten.

Wie groß ist das Problem? Schadensersatzansprüche der Arbeitnehmer sind seit 1980 um 150 Prozent gestiegen. Ein wichtiger Faktor bei diesem Anstieg sind die RSI, die jetzt laut der Bureau of Labour Statistics über 50 Prozent aller arbeitsplatzbezogenen Erkrankungen ausmachen. Für 1989 bedeutet dies 145.000 gemeldete Fälle. 1990 stieg diese Zahl auf geschätzte 150.000. Diese Zahlen lassen sich in Milliarden Gewinnverluste für die Arbeitgeber und zahllose Leiden der Arbeitnehmer übersetzen, von denen viele die Verletzungen aus Angst um ihren Gehalt nicht als arbeitsplatzbezogen melden. Das Problem ist für Versicherer, z.B. Liberty Mutual, groß genug geworden, daß sie eigene Ergonomie-Untersuchungen bezüglich RSI durchf&uunml;hren.

Einige Unternehmen haben reagiert und führen aggressiv Erziehungsprogramme durch, um so die von RSI betroffenen Arbeitnehmer zu identifizieren und zu behandeln. Ein solches Beispiel ist das Oak Ridge National Laboratory in Oak Ridge, Tennessee. Oak Ridge besitzt über 5.000 Mitarbeiter, die aufgefordert sind, Hand-, Handgelenk- und Armschmerzen oder -Taubheit an Shonna Cole zu melden, Leiter eines Ergonomieprogramms. Anschließend werden Arbeitnehmer und Arbeitsumgebung untersucht, um festzustellen, ob repetitive Arbeitsbewegungen für das Problem verantwortlich sein können. Ist dies der Fall, wird der Arbeitnehmer in Vorbeugemaßnahmen geschult oder der Arbeitsplatz wird neu bewertet, um zu prüfen, ob er sicherer gemacht werden kann. Diese aggressive Methode hinsichtlich der Identifizierung und Verhinderung von RSI Fällen vor deren weiteren Ausbreitung, spart dem Laboratory Geld durch Vermeidung von Behandlungskosten. Und sie erspart dem Arbeitnehmer weitere Schmerzen. "Wir haben nach dem Problem gesucht, sobald wir feststellten, daß einige unserer Arbeitnehmer sich zur Behebung von RSIs operieren ließen," sagte Cole. "Je genauer wir hinsahen, desto mehr Fälle stellten wir fest. Im Durchschnitt pro Woche ein neuer Fall von RSI. Der Unterschied besteht heute darin, daß wir die Fälle beim ersten Auftreten von Schmerzen feststellen - nicht erst nach der Operation."

Die Operation als solche wurde zu einem Streitpunkt bei der Behandlung von RSIs. Zwar benutzen die Ärzte sie häufig als die einzige wirkliche "Heilung", doch argumentiert die Occupational Safety and Health Administration, daß die Operation das letzte Mittel sein sollte, denn sie wirkt nur vorübergehend, wenn der Patient erneut die gleichen repetitiven Handlungen durchführt, die ursprünglich das Trauma verursachten. "Wir hatten einen Mitarbeiter, der dreimal wegen repetitiver Belastungsschäden operiert wurde und anschließend dennoch arbeitsunfähig geschrieben werden mußte."

In ihren Bemühen, das Problem zu bekämpfen und die potentiellen finanziellen Verluste durch Arbeitnehmerverletzungen einzuschränken, haben sich die Manager der Ergonomie zugewandt - dem Studium der Anpassung der Arbeitsumgebung auf die Bedürfnisse der Benutzer - um so deren Arbeitsplätze sicherer zu machen.

Die Anzeichen:

Repetitive Bewegungsverletzungen (RMI - Repetitive Motion Injuries) werden durch sich wiederholende Bewegungen verursacht, die starke Belastungen auf die Muskeln und Nerven in der Hand und im Handgelenk ausüben. Der kumulative Effekt der sich wiederholenden Bewegungen, kombiniert mit der ausgeübten Kraft, führt zu Verletzungen, die kumulative, traumatische Leiden (CTD - Cumulative Trauma Disorders) genannt werden. Das bekannte Carpaltunnelsyndrom (CTS) ist ein Typ von CTD, der durch wiederholtes Beugen und Drehen des Handgelenks bei Anwendung von Kraft verursacht wird. Die entzündeten Sehnen quetschen die Nerven im Nervengang des Handgelenks ein. Zu dem Symptomen des CTS gehören vorübergehende Taubheit, Schmerzen oder Kitzelgefühl im Daumen, Zeige- und/oder Mittelfinger. Psychologischer Stress spielt ebenfalls bei der Verstärkung der physikalischen Belastung eine Rolle, die zu Verletzungen der Hand und des Handgelenks führen kann. Stress erzeugt Muskelanspannung, die die Blutzufuhr zu den Muskeln und Sehnen einschränkt. Der daraus resultierende Sauerstoffmangel macht das Gewebe empfindlicher für Erschöpfung und Verletzung.

Ein schnell wachsende Zahl von Opfern sind White Collar Mitarbeiter und Büroangestellte, die den größten Teil ihres Arbeitstages mit dem Tippen auf Computertastaturen verbringen. Doch Grafiker, Layouter und Benutzer anderer grafischen Anwendungen, bei denen die Tastatur durch eine Maus oder andere Zeigevorrichtung ersetzt wird, sind ebenso gefährdet. Die Zahl der Benutzer, die diese Geräte benutzen, steigt mit dem Übergang der Industrie zu einer Point-and-Click Schnittstelle an. Zwar wirken sich nicht so angsteinflößend wie Gabelstapler oder andere schwere Industriemaschinen, doch können sich Computerwerkzeuge wie die Zeigevorrichtung als ebenso gefährlich erweisen, wenn sie die Existenz ihrer Benutzer bedrohen oder einschränken.

Bei der Bewertung der ergonomischen Bedingungen müssen Manager und Arbeitnehmer die Haltung und Bewegung der Gliedmaßen bei der Durchführung einer Aufgabe, die Wiederholung der Aufgabe, die Schnelligkeit der Arbeit, die über einen bestimmten Zeitraum verbrauchte Energie, die für die Durchführung der Aufgabe benötigte physikalische Stärke und die Benutzung und Konstruktion der Werkzeuge und des Arbeitsbereichs berücksichtigen. Bei der ergonomisch korrekten Wahl des Arbeitsplatzes dürfen die Arbeitgeber von Computerbenutzern nicht einseitig auf die von der Tastatur ausgehenden Gesundheitsgefahren achten und dabei die Mausbenutzer übersehen, die ebenfalls Verletzungsgefahren ausgesetzt sind.

"Wir verzeichneten eine Reihe CTDs unter den CAD Ingenieuren, die extensiv die Maus benutzen", sagte Cole. Eines der unter diesen "mausintensiven" Benutzern festgestelltes Leiden war laterale Epikondylitis, Ellbogenleiden auf Grund entzündeter Sehnen, verursacht durch die Schwenkbewegung, die beim Bewegen der Maus auf dem Mouse-Pad durchgeführt wird. Meistens muß dabei der Daumen in Richtung Handinnenseite zeigen, was im Verlauf der Zeit zu einer Belastung führt.

In Erkennung dieses Problems sind Geräte entworfen worden die ein Zwitter zwischen einer Maus und einem Trackball sind, und, die eliminiert unnötige und ermüdende Arm- und Gelenkbewegungen durch Einbau einer gepolsterten Fläche, auf der die Hand ruht und dank der das Gelenk oberhalb der harten Arbeitsfläche bleibt. Zur Bewegung des Cursors auf dem Bildschirm manipulieren die Fingerspitzen des Benutzers die polierte Phenolkugel. Kürzliche Tests der Tech Dyne International Ltd. aus Sherman, Texas, haben gezeigt, daß MOUSE-TRAK von einem Großteil der Hand- und Gelenküberanstrengungen befreit, verursacht durch stundenlange Zeige- und Klickbewegungen im Zusammenhang mit der Benutzung einer Maus.

In einem Vergleichstest wurde der durch repetitive Bewegungen verursachte Kräfteverlust eines Grafikers bei Benutzung einer Maus und des MOUSE-TRAK gemessen. Vor dem Test wurde die Basisstärke von Hand, Gelenk und Arm vor Benutzung der jeweiligen Vorrichtung gemessen. Nach Festlegung der Basisdaten wurden an zwei verschiedenen Tagen zwei unabhängige Sitzungen abgehalten. Während jeder der jeweils vierstündigen Sitzungen bediente die Person zur Simulation eines normalen Arbeitstages ein zeige- und klickintensives Grafikprogramm.

Der von Tech Dyne durchgeführte Ermüdungsvergleich prüfte die Stärke und Funktionsfähigkeiten des Grafikers in neun Bereichen: Greifen, Einwärtsbeugen des Gelenks, Abduktion oder Aufwärtsbeugen des Gelenks, Adduktion oder Abwärtsbeugen des Gelenks, Einwärtsdrehen der Hand oder des Arms in Richung Daumen, Einwärtsdrehung sowie Auswärtsdrehung und Strecken des Arms. Vor und nach Benutzung der Zeigevorrichtung maßen die Prüfer die Kraft der Hand und des Gelenks der Person in diesen Kategorien. Die Prüfer maßen die Kraft, mit der die Person einen Prüf- und Meßapparat greifen und zusammendrücken konnte.

Nach Benutzung des ergonomisch gestalteten MOUSE-TRAK zeigte die Person einen leichten Kraftverlust in einer der neun verschiedenen Bewegungen: Strecken. Die Prüfer sagten, daß der Verlust von 42 Punkten beim Strecken von 192 auf 150 auf Grund der Bewegung im Zusammenhang mit wiederholten Klicken der Cursortaste über einen längeren Zeitraum zu erwarten war.

Bei der Durchführung des gleichen Tests mit einer zusammen mit dem Computer gelieferten Standardmaus eine Woche später, zeigte die Person Kraftverlust und Erschöpfung bei sieben der neun Bewegungsarten. "Die Prüfperson nannte starke Erschöpfung nach Abschluß des Tests mit der Maus, erwähnte aber keine feststellbare Müdigkeit nach Benutzung des MOUSE-TRAK", sagte Jim Harmon, Gründer und Leiter der Produktforschung und Entwicklung von Tech Dyne.

Nach der Benutzung der Maus zeigte die Person Kräfteverluste in sieben Kategorien: 68 Punkte beim Greifen, 11 beim Beugen, 37 beim Strecken, 4 bei Auswärtsbewegung, 90 bei Einwärtsbewegung, 44 bei Adduktion, 90 bei Adduktion, 44 bei Pronation und 10 bei Supination. Auf Grund der Bewegungsabläufe im Zusammenhang mit der Bedienung einer Maus, "waren Erschöpfung bei Strecken, Greifen, Beugen, Adduktion und Supination zu erwarten", sagte Harmon. "Ein Adduktionsverlust war ebenfalls bei der Benutzung einer Maus zu erwarten, allerdings war er höher als erwartet. Ein Großversuch unter optimalen Bedingungen könnte weitere empirische Daten liefern, doch ist davon auszugehen, daß die gleichen signifikanten Trends und Unterschiede festgestellt werden ... Bei vielen Personen ist die Varianz möglicherweise noch größer." sagte er. Das Problem bei den Bewegungen im Zusammenhang mit der Benutzung einer Computermaus liegt laut Harmon darin, "daß die bei diesen repetitiven Bewegungen benutzten Muskeln überbeansprucht werden, die umgebenden Muskeln dagegen zu Atrophie tendieren und schwächer werden."

Tech Dyne bietet Kunden und Besuchern auf freiwilliger Basis kostenlose Kraftprüfungen an. "Im Verlauf der vergangenen Jahre konnten wir einen deutlichen Anstieg bei der Zahl der Computerbenutzer feststellen, die sich prüfen ließen", sagte Harmon. "Und die Ergebnisse sind nicht gut. Wir haben Personen geprüft, die im Verlauf von 2 bis 3 Jahren einen Verlust der Handkraft von 50 Prozent aufwiesen." Sieht die Zukunft für alle Computerbenutzer so schwarz aus? Nicht unbedingt.

Laut Dr. Dell Krehbiel von der OSHA "unterscheidet sich jede Person hinsichtlich ihrer Fähigkeit, Belastungen durch repetitive Bewegungen zu verarbeiten. Der Schlüssel ist, Probleme zu finden und vorauszusagen, bevor sie eintreten." Doch genau darin liegt ein weiteres Problem. Die Arbeitgeber vermeiden auf Grund der mit Arbeitsplatzverletzungen verbundenen potentiellen Haftung, über RSIs zu reden. "Wir hatten nur beschränkten Erfolg damit, Arbeitgeber von der Notwendigkeit von Prüfungen und Vorbeugung zu überzeugen," sagte Jim Harmon von Tech Dyne. "Die Arbeitgeber wissen, daß das Problem existiert, aber sie denken offensichtlich, so lange wir nicht beweisen, daß die Arbeit die Verletzung verursacht, kann man sie nicht dafür haftbar machen."

Dr. Krehbiel stimmt zu, daß die Arbeitgeber das Thema lieber unter den Tisch fallen lassen als sich ihm zu stellen, fügt jedoch schnell hinzu, daß der Hazard Communication Standard aus 1987 von den Arbeitgebern verlangt, die Arbeitnehmer über die Gefahren zu unterrichten, die die Arbeit mit sich bringen kann. Dazu gehören die potentiellen Gefahren von RSI. Mit zunehmender Verbreitung dieser Einsicht in der Industrie werden weitere Produkte wie MOUSE-TRAK erfolgreich sein, die unter Berücksichtigung der Ergonomie entworfen wurden.

Bill Morris ist der Präsident der CoMark Technologies, einer Marketing und Public Relations Agentur, die ausschließlich für Computer Hardware- und Software-Entwickler und Einzelhändler arbeitet. Er kann unter 12700 Park Central, Suite 1605, Dallas, Texas 75251 oder per Telefon unter (214)233-7091 und Fax (214)233-2672 erreicht werden.